Nachricht des Autors an seine Leser

Christopher Paolini bedankt sich bei seinen Fans und blickt zurück auf seinen Werdegang als junger Autor und seine Arbeit an der Eragon-Saga:

Christopher Paolini und George R. R. Martin im Gespräch

Neunteiliges Interview mit Christopher Paolini in Berlin 2010

Teil 1: Anlässlich seines Besuchs in Berlin im Herbst 2010 äußert sich Christopher Paolini zur deutschen Landeshauptstadt, zu klassischer Musik – und natürlich zu seiner Arbeit an Band 4 der Eragon-Saga.

 

Teil 2: Christopher Paolini über die italienische Abstammung seiner Familie und seine Sprachkenntnisse.

 

Teil 3: Christopher Paolini über den Einfluss des Japanischen auf die von ihm erfundene Sprache und über die Bedeutung des Namens "Eragon".

 

Teil 4: Warum trägt die Eragon-Saga in Amerika den Reihentitel "Inheritance"? Der Autor über die Titelfindung der Serie und über den Charakter des Helden "Eragon".

 

 

Teil 5: Christopher Paolini liest aus Band 3 "Die Weisheit des Feuers": Eragon besucht das Zwergenvolk und reflektiert über Religion.

 

 

Teil 6: "Im Laufe der Serie ist nicht nur Eragon erwachsen geworden, sondern auch ich." – Christopher Paolini über Themen, die nicht nur Jugendliche bewegen.

 

 

Teil 7: Eine Kindheit in der Wildnis Montanas. Christopher Paolini erzählt von Naturerlebnissen, seinen Haustieren - und der Faszination des Fliegens.

 

 

Teil 8: Das „Böse" in Fantasy-Romanen. Christopher Paolini über Stereotypen und versteckten Rassismus - und über die Ausgestaltung des Bösewichts Galbatorix in der Eragon-Saga.

 

 

Teil 9:Die Rolle der Familie. Christopher Paolini spricht über die realen Vorbilder seiner Charaktere und die Beziehung zwischen Eragon und Saphira.

 

 

 

Christopher Paolini in der Today Show

Der Autor in einem amerikanischen Fernseh-Interview, nachdem der Band "Brisingr" ("Die Weisheit des Feuers") in der Nacht zuvor erschienen ist: Zum Video auf YouTube

Und hier die deutsche Übersetzung des Interviews (PDF, 15.7 KB).

 

Ein Leben zwischen zwei Extremen

Christopher Paolini im Interview (BeNet, Berlin/ München, 25.10.2005)

Er ist erst 21 Jahre alt und hat nie eine öffentliche Schule besucht, dafür aber bereits zwei Bestseller geschrieben: Christopher Paolini, der Star unter den jungen Random House-Autoren. Im Be-Net-Interview spricht Christopher Paolini über Wunderkinder, Drachenreiter und die Magie einer guten Geschichte.

 

Ihr Romanerstling "Eragon" ebenso wie der Nachfolger "Eldest" stehen seit Wochen an der Spitze der Bestseller-Listen in aller Welt. Haben Sie mit einem derartigen Erfolg Ihrer Bücher gerechnet?

Ehrlich gesagt nein. Als ich begann "Eragon" zu schreiben war ich 15 Jahre alt und wollte ganz einfach eine Geschichte schreiben, die ich selbst gerne lesen würde. Ich glaube, dass gute Geschichten eine eigene Magie entwickeln können, eine Magie, die die Leser in ihren Bann schlägt und sie nicht wieder loslässt. Aber bis heute bin ich über den Erfolg der beiden Bände überrascht.

Sie haben "Eragon" in einem Alter geschrieben, in dem andere Jungen Fußball spielen oder den Tag vor dem Computer verbringen. Was war damals Ihre Motivation, ein Buch zu schreiben?

Ich habe niemals eine öffentliche Schule besucht, sondern wurde gemeinsam mit meiner Schwester von meiner Mutter, die früher Lehrerin war, unterrichtet. Meinen Highschool-Abschluss habe ich an einer Fernschule gemacht – und zwar bereits im Alter von 15 Jahren. Danach war ich zu jung, um direkt aufs College zu gehen. Also habe ich überlegt, was ich tun könnte, und weil ich in einer sehr ländlichen Gegend von Montana lebe, gab es nicht viel zu tun... Ich habe also beschlossen, einen Roman zu schreiben. Als begeisterter Leser wollte ich einfach mal selbst probieren, eine Geschichte zu schreiben. Ich hatte nicht die Absicht, das Buch zu veröffentlichen oder damit berühmt zu werden. Es war eher so etwas wie eine persönliche Herausforderung.

Glauben Sie, dass die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte von "Eragon", also die Tatsache, dass Sie das Buch mit 15 Jahren geschrieben haben und dass Ihre Eltern es zunächst im Eigenverlag herausgaben, zum heutigen Erfolg der Serie beigetragen hat?

Sicherlich. Viele Leute halten die ganze Geschichte ja für ein Mysterium, und man bezeichnet mich auch als Wunderkind. Das bin ich aber nicht. Jedes Kind könnte so ein Buch schreiben – mit Eltern, wie meine es sind, und mit der passenden Umgebung. Mit der richtigen Unterstützung können Sie auch die Olympischen Spiele gewinnen... Nein, im Ernst: Ich hatte viel Glück mit meinen Eltern, die bereits die Schulbücher meiner Mutter im Eigenverlag veröffentlicht haben und deshalb eine gewisse Erfahrung in dem Geschäft hatten. Und natürlich noch mehr Glück, dass Carl Hiaasen "Eragon" zufällig in die Hände bekam und den Kontakt zu Random House herstellte. Vielleicht war es eine Mischung aus beidem: Talent und Glück, aber doch kein Wunder!

Auf Ihrer Buchtour in den USA und jetzt auch hier in Europa werden Sie von Ihren Fans wie ein Rockstar empfangen. Wie lebt es sich als Bestseller-Autor?

Am Anfang war es schwierig für mich, denn der ganze Wirbel und der Ruhm können einen schon überwältigen. Früher bin ich im mittelalterlichen Kostüm durch kleine Buchhandlungen gepilgert und habe die Werbetrommel für mein Buch gerührt. Heute komme ich zu Lesungen und da sitzen Hunderte von Leuten und die haben alle mein Buch gelesen – das ist schon Wahnsinn. Zum Glück sorgt meine Familie dafür, dass ich nicht abhebe. Daheim in Montana habe ich eigentlich noch immer das selbe Leben wie früher – ich treffe die selben Freunde, habe die selben Hobbys und muss wie jeder andere mein Zimmer aufräumen und das Badezimmer putzen. Im Prinzip ist es ein Leben zwischen zwei Extremen: Hier die turbulenten Lesereisen, da mein einsamer Schreibtisch zu Hause, an dem ich den ganzen Tag sitze und schreibe.

Können Sie einen typischen Arbeitstag beschreiben?

Ich stehe frühmorgens auf, frühstücke und setze mich vor den Computer. Dort bleibe ich bis in den späten Nachmittag sitzen, mache vor dem Abendessen noch ein bisschen Sport und dann ist der Tag meist bereits vorbei. So sieht mein Leben aus – sieben Tage in der Woche und jeden Tag des Jahres – abgesehen von Weihnachten und meinem Geburtstag vielleicht. Ich würde sagen, dass ich derzeit 90 Prozent meiner Zeit aufs Schreiben verwende. Gerade wird ja der "Eragon"-Film in Ungarn gedreht, und man hat mich gefragt, warum ich nicht am Drehbuch mitgearbeitet habe. Die Antwort ist leicht: Ich wollte die verbleibenden zehn Prozent meines Privatlebens nicht auch noch für "Eragon" aufgeben.

Woher nehmen Sie die Inspiration für die fantasievollen Geschichten und detailreichen Schilderungen in Ihren Büchern?

Meine erste Inspiration ist meine direkte Umgebung – also die wunderschöne Landschaft von Montana. Leser, die sich hier auskennen, werden vielleicht sogar die eine oder andere Beschreibung aus "Eragon" und "Eldest" wiedererkennen. Manchmal, wenn ich beim Schreiben aus dem Fenster sah, konnte ich den Drachen Saphira sogar fast über die schneebedeckten Gipfel der Beartooth Mountains in der Nähe unseres Hauses fliegen sehen. Inspiriert haben mich natürlich auch die vielen Bücher, die ich während meiner Kindheit und Jugend gelesen habe. In gewisser Weise ist die "Inheritance"-Trilogie das Destillat all meiner Kindheitsbücher.

Manche Kritiker werfen Ihnen vor, dass viele Figuren aus "Eragon" stark an die Charaktere aus Tolkiens "Herr der Ringe" erinnern und dass Ihre Geschichte sich vielleicht ein wenig zu sehr an Lucas’ "Krieg der Sterne" orientiert. Was antworten Sie solchen Kritikern?

Natürlich haben mich Tolkien und Lucas inspiriert – so wie viele andere auch. Wie gesagt, die Bücher sind das Ergebnis meiner eigenen Leseerfahrungen – kein Wunder also, wenn es Ähnlichkeiten gibt. Ich liebe Fantasy-Romane und ich wollte selbst Fantasy schreiben – da kommt man ohne typische Figuren wie Elfen, Zwerge und Drachen einfach nicht aus. Aber natürlich wollte ich nicht die Geschichten anderer Autoren neu erfinden, sondern meine ganz eigene Geschichte erzählen. Und ich denke, das ist mir auch gelungen: Eragon und seine Drachendame Saphira sind einzigartig und sie sind so einzigartig, weil sie aus meiner Fantasie entsprungen sind und nicht aus einem anderen Buch.

Warum schreiben Sie gerade Fantasy-Bücher? Warum nicht Krimis oder historische Romane?

Gute Fantasy-Romane sind nichts anderes als eine Interpretation unserer realen Welt. Fantasy-Geschichten handeln von archetypischen Themen und ebenso archetypischen Charakteren, die Menschen in allen Lebenslagen und zu allen Zeiten ansprechen. Ich würde sagen, dass das Herzstück der "Inheritance"-Trilogie die Liebe zwischen Eragon und Saphira ist. Liebe ist ein zeitloses und überhaupt nicht fantasy-spezifisches Thema – nur dass es hier eben um die Liebe zwischen einem Drachenreiter und einem Drachen geht.

Wie lernt man, einen Roman zu schreiben? Haben Sie Tipps für andere Nachwuchsautoren?

Ich glaube, das Schwierige ist nicht, sich eine Geschichte auszudenken, sondern sich danach jeden Tag hinzusetzen und weiterzuschreiben. Bevor man anfängt zu schreiben, sollte man sich das Gerüst für die Geschichte komplett überlegt haben. Vor "Eragon" habe ich schon ein paar Versuche für Bücher gestartet, die alle daran scheiterten, dass ich nicht wusste, was als nächstes passieren sollte. Ich las dann eine Menge Bücher übers Bücherschreiben und entwarf für "Eragon" die komplette Handlung für alle drei Bände. Ich weiß also heute bereits, wie die Trilogie enden wird. Für "Eldest", den zweiten Band, habe ich dann ganz auf Fachliteratur verzichtet und mich auf meine Erfahrung als Autor verlassen. Darum bin ich auf "Eldest" auch in gewisser Weise stolzer als auf "Eragon". Also: Eine tolle Geschichte und eine gute Planung sind das, worauf es ankommt. Denn schließlich ist es nicht sehr praktisch, wenn man in Buch eins eine Figur umbringt, die man in Buch drei noch brauchen kann. (jmw)

Text & Fotos: © 2005 Bertelsmann Network, Gütersloh

 

 

Interview mit Christopher Paolini

(Süddeutsche Zeitung Magazin vom 28. August 2004)

"ERAGON IST DAS DESTILLAT MEINER KINDHEITSBÜCHER"

Gratulation, Herr Paolini, Ihr Roman steht auf der Bestsellerliste der New York Times in der Rubrik Jugendbücher auf Platz 1, selbst vor Harry Potter.

Ja, danke, seit 48 Wochen, ich finde es selbst unglaublich.

Sie haben das Buch mit 15 geschrieben. Sind Sie ein Wunderkind?

Um Himmels willen, nein. Jedes Kind könnte so etwas schreiben, mit solchen Eltern in der richtigen Umgebung. Mit ausreichend Unterstützung kann man auch bei Olympischen Spielen gewinnen.

Sie haben nie eine Schule besucht?

Wir leben an einem abgelegenen Ort in Montana, anfangs sogar ohne Fernsehempfang. Meine Mutter hat mich und meine Schwester unterrichtet. Sie ist ausgebildete Lehrerin.

Ihre Mutter hat Sie anscheinend erfolgreich zum Lesen angehalten. Wie ist es um Ihre Mathematikkenntnisse bestellt?

Algebra, Geometrie, alles gepaukt, auch wenn ich dafür kein Talent besitze. Später machten wir ja auch an einer Fernschule unseren Highschool-Abschluss. Aber vor allem habe ich viel gelesen. Als Kind in Montana muss man sich selbst unterhalten.

Fremdsprachen lernten Sie nicht?

Seltsamerweise nicht, obwohl ich das gut gebrauchen hätte können. Für Eragon musste ich ja drei Sprachen erfinden und mich erst mal in einige nordische Grammatiken einlesen.

Ihr Roman zeigt Ähnlichkeiten mit Tolkiens Herr der Ringe.

Eragon handelt von den Abenteuern eines jungen Mannes, verknüpft mit der Geschichte eines Drachens. Das Buch spielt in einer fremden Welt, erzählt aber eine ganz andere Geschichte als der Herr der Ringe. Natürlich hat mich Tolkien inspiriert, neben vielen anderen. Eragon ist das Destillat all meiner Kindheitsbücher.

Findet Eragon auch erwachsene Leser?

Ja, Jugendliche und Erwachsene, je zur Hälfte.

Wie lernt man, einen Roman zu schreiben?

Vor Eragon hab ich schon ein paar Versuche gestartet, die alle daran scheiterten, dass ich nicht wusste, was als Nächstes passieren soll. Ich las daraufhin eine Menge Bücher übers Bücherschreiben und entwarf für Eragon erst einmal einen Monat lang die komplette Handlung aller drei Bände. Schließlich wollte ich nicht in Band eins irgendjemanden töten, den ich später noch brauchen könnte.

Band eins Ihrer geplanten Trilogie hatte Ihr Vater zunächst verlegt.

Sein Verlag besteht nur aus einem Computer. Bei Print on Demand kann jedermann zum Verleger werden. Wir ließen die Bücher Stück für Stück drucken und verkauften sie anschließend selbst.

Jedes einzelne Buch?

Ja, ich tingelte lange durch Buchläden und Schulen und hielt in einem dem Mittelalter nachempfundenen Fantasiekostüm Lesungen. Allein 135 im Jahr 2002, meine Eltern und ich waren praktisch das ganze Jahr unterwegs. In Schulen konnte ich an einem wirklich guten Tag 300 Stück loswerden, in Buchhandlungen höchstens vierzig.

Inzwischen verkauften Sie mehr als eine Million allein in den USA. Wie gelangte Ihr Buch dann zum renommierten Alfred-A.-Knopf-Verlag?

Der Schriftsteller Carl Hiaasen kam aus Florida zum Fliegenfischen nach Montana und sein zwölfjähriger Stiefsohn kaufte zufällig mein Buch. Er mochte es so sehr, dass sein Vater es dem Verlag empfahl. Ich selbst hätte nie daran gedacht, mal bei einem so großen Verlag anzufragen. Ohne Herrn Hiaasen wären die Dinge für meine ganze Familie sicherlich anders verlaufen.

In wie viele Länder wurde Eragon inzwischen verkauft?

36, glaube ich. Letzte Woche erschien es in Indonesien und Italien, der Heimat meines Vaters.

Hat Ihr Vater Sie auch redigiert?

Meine Eltern und meine Schwester halfen mir sehr. Wissen Sie, dass ich meine Schwester als eine Figur in Eragon eingebaut habe? Sie schreibt auch gerade an ihrem Erstlingsroman.

Interview Lars Reichardt
© Süddeutsche Zeitung